Volksbanken und Raiffeisenbanken in der Region Bonn Rhein-Sieg

Volksbanken und Raiffeisenbanken wichtiger Wirtschaftspartner in der Region

Genossenschaftsidee ist immaterielles Kulturerbe

11.1.2017

Die Rahmenbedingungen um erfolgreich Bankgeschäfte zu machen sind seit Jahren schwierig. Zunehmende Regulierungen und die nun schon seit Jahren anhaltende Niedrigzinsphase tragen nicht dazu bei, in Hochstimmung zu geraten.


Umso erfreulicher ist es, dass die Genossenschaftsbanken in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis mit Zufriedenheit auf das abgelaufene Geschäftsjahr 2016 blicken: Die drei Raiffeisenbanken (Sankt Augustin, Rheinbach-Voreifel und Rosbach), vier Volksbanken bzw. VR-Banken (Bonn, Bonn Rhein-Sieg, Rhein-Sieg und Wachtberg) sowie die Spar- und Darlehenskasse Aegidienberg vereinen auf sich eine Bilanzsumme von 6,87 Milliarden Euro, welches einer Steigerung von 3,44 Prozent entspricht (2015: 6,64 Mrd. Euro). Das Kreditvolumen konnte zum Ende des Geschäftsjahres um 4,42 Prozent auf 4,40 Milliarden Euro erhöht werden (2015: 4,21 Mrd. Euro). Bei den Kundeneinlagen verzeichnen die Banken trotz anhaltender Niedrigzinsphase eine weitere Steigerung von 4,35 Prozent. Die Kunden unterhalten auf ihren Konten, die sie bei den acht Genossenschaftsbanken führen, insgesamt 5,31 Milliarden Euro in Form von Sicht-, Termin- oder Spareinlagen (2015: 5,09 Mrd. Euro).

Das Gesamtkundenvolumen (Summe aus Aktiva und Passiva) beläuft sich per Jahresultimo 2016 auf 9,71 Milliarden Euro gegenüber 9,30 Milliarden Euro vor einem Jahr.

Die Ertragslage ist in den Instituten weiterhin stabil, wozu auch die nun schon seit Jahren anhaltende entspannte Risikosituation im Kunden-Kreditgeschäft beiträgt.

Die Vorstände der Genossenschaftsbanken sind davon überzeugt, dass die Erfolge der acht selbständigen Banken in direktem Zusammenhang mit der Unternehmensform der Genossenschaft stehen.  „In Zeiten, in denen Werte immer stärker in den Hintergrund treten, honorieren die Menschen Banken, die für Vertrauen, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit stehen“, so Dr. Martin Schilling, Bankensprecher und Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Rhein-Sieg.

Dass dies auch weltweit so gesehen wird, verdeutlicht die Aufnahme der Genossenschaftsidee in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO Ende 2016. „Wir sind hocherfreut und dankbar, dass auf diese Weise die Väter der Genossenschaften in Deutschland, Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen, eine Würdigung erhalten – für die Grundlegung einer Idee, die heute mehr denn je von großer Relevanz ist.“

Dazu passt, dass immer mehr der über 356.400 Kundinnen und Kunden gleichzeitig auch Miteigentümer bei den regionalen Banken sind. In 2016 wurden 5.439 neue Mitgliedschaften gezeichnet, so dass die genossenschaftliche Familie bereinigt um die Abgänge auf 163.565 Mitglieder anwuchs. Im Durchschnitt erhielten die Teilhaber eine Dividende in Höhe von 5,99 Prozent auf ihre gezeichneten Geschäftsanteile.

Zu kämpfen haben alle Institute mit einem rückläufigen Zinsüberschuss (-3,74 Prozent) sowie mit sinkenden Provisionsüberschüssen (-6,47 Prozent). Durch diese Entwicklungen wird der Druck auf die Banken größer, so dass sich die Frage nach der Zukunftssicherung stellt.

Die ersten Antworten darauf wurden schon gegeben: Die in 2015 angekündigten Fusionen der VR-Bank Rhein-Sieg mit der Raiffeisenbank Much-Ruppichteroth sowie der Raiffeisenbank Rheinbach-Voreifel mit der Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg wurden rückwirkend zum 31.12.2015 vollzogen, die Volksbank Bonn Rhein-Sieg schloss sich zum 31.12.2016 mit der Spar- und Darlehenskasse Aegidienberg zusammen.

Damit ist die Fusionswelle aber noch nicht zu Ende. Die Volksbank Bonn Rhein-Sieg hat Gespräche mit der Kölner Bank aufgenommen und die VR-Bank Rhein-Sieg plant den Zusammenschluss mit der Raiffeisenbank Sankt Augustin rückwirkend zum 31.12.2016. Voraussetzung ist, dass die jeweiligen Vertreterversammlungen ihre Zustimmung geben.

„Weitere Zusammenschlüsse werden die Bankenlandschaft auch in den kommenden Jahren prägen“, so der Bonner Volksbank-Chef Jürgen Pütz.
„Die Wettbewerbssituation, die politisch gewollte Geldpolitik und der Regulierungswahn, insbesondere aus Brüssel, stellen die Banken vor immer größere Herausforderungen.“

Die Ergebnisse im Einzelnen:

Trotz anhaltender Niedrigzinsphase erhöhten sich die Kunden-Einlagen in den letzten zwölf Monaten um 4,35 Prozent. Damit hatten die Kunden in absoluten Zahlen 221 Millionen Euro mehr an Guthaben auf ihren Konten. Insgesamt wuchs der Bestand zum Jahresultimo auf 5,31 Milliarden Euro.   

Wie im Vorjahr wurden vor allem kurzfristige Anlageprodukte von Privat- und Firmenkunden nachgefragt. Dies belegt der hohe Bestand im Sichteinlagenbereich, der um 7,33 Prozent oder 253 Millionen Euro auf über 3,70 Milliarden Euro (2015: 3,45 Mrd. Euro) angestiegen ist. Die Spareinlagen verzeichneten ein leichtes Plus, wohingegen die Termineinlagen und Sparbriefe um weitere 12,13 Prozent abschmolzen, so dass sich zum Ende des Berichtsjahres der Bestand auf 332 Millionen Euro belief.

Dr. Martin Schilling: „Obwohl der Trend, Gelder kurzfristig zu parken, unverändert anhält, verstehen unsere Kunden, dass eine langfristige Vermögensstrukturierung in der heutigen Zeit unumgänglich ist, will man überhaupt noch Erträge erwirtschaften und nicht täglich Geld vernichten. Alleine mit herkömmlichen Bankprodukten kann Vermögensaufbau nicht mehr funktionieren.“

Diese veränderte Grundhaltung veranschaulicht die erneut gestiegene Nachfrage nach Direktanlagen in Aktien und Investmentfonds. Der Gesamtbestand im Wertpapier und Fondsbestand belief sich zum Jahresultimo auf 2,38 Milliarden Euro, welches einer Steigerung von 52 Millionen Euro entspricht.

Die Volksbanken und Raiffeisenbanken in der Region haben sich einmal mehr als Bank für den Mittelstand behaupten können. Aber auch die privaten Häuslebauer vertrauten bei der Entscheidung, sich eine eigene Immobilie anzuschaffen, auf die Kompetenz und die persönliche Beratung der Kundenberaterinnen und Kundenberater. Das Kreditvolumen wuchs um 186 Millionen Euro oder 4,42 Prozent. Damit verwalten die Banken insgesamt einen Bestand von 4,40 Milliarden Euro (2015: 4,21 Mrd. Euro). Die zur Verfügung gestellten Mittel entfielen circa zur Hälfte auf die gewerbliche Wirtschaft und zur anderen Hälfte auf Privatkunden. Auch im Firmenkundensegment standen aufgrund der sehr günstigen Zinssituation Investitionen in Immobilien an erster Stelle. Bevorzugt wurden dabei langfristige Zinsvereinbarungen.

Jürgen Pütz unterstreicht: „Kreditgeschäft ist nach wie eine Vertrauenssache. Im privaten Umfeld beschäftigen sich viele Menschen nur einmal in ihrem Leben  damit, sich eine hohe Summe Geld auszuleihen. Da tut es einfach gut, einen vertrauensvollen Partner an seiner Seite zu haben. Außerdem schätzen unsere Kundinnen und Kunden unsere kurzen und schnellen Kreditentscheidungswege.“

Dr. Martin Schilling ergänzt: „Dies bescheinigt uns auch die gerade veröffentlichte Fairness-Studie im Auftrag der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die Befragung hat ergeben, dass junge Bankkunden zwischen 18 und 35 Jahren auf persönliche Beratung stehen und sich einen festen Ansprechpartner in Finanzfragen wünschen. Weiter wurde den Genossenschaftsbanken in allen Teildimensionen der Befragung eine überdurchschnittliche Leistung bescheinigt. So erhielten sie im Bereich „Faire Produktleistung“, „Faire Kundenbetreuung“, „Fairer Kundenservice“, „Faires Preis-Leistungs-Verhältnis“, „Faire Kundenkommunikation“ und „Fairer Umgang mit Beschwerden“ als einzige Bankengruppe die Note sehr gut.  

Das Vermittlungsgeschäft ist eine wichtige Säule des ganzheitlichen Beratungsansatzes. Insgesamt konnte es um 2,14 Prozent zulegen. Der größte Teil mit über 51 Prozent entfällt dabei weiterhin auf das Wertpapiergeschäft, welches im Gesamtbestand von 4,62 Milliarden Euro (2015: 4,53 Mrd. Euro) mit 2,38 Milliarden Euro (2015: 2,32 Mrd. Euro) enthalten ist. Alle Bestände konnten ausgeweitet werden, mit Ausnahme des Vermittlungsgeschäftes an die verbundeigenen Hypothekenbanken, auch wenn die Bestände mit 677 Millionen Euro (2015: 692 Mio. Euro) nach wie vor hoch sind. Im Bereich der Darlehensvermittlung bedienen sich die Genossenschaftsbanken zunehmend der Angebote der Bausparkasse Schwäbisch Hall (+ 5,79 Prozent) und der R+V Versicherung (+ 5,00 Prozent). Die Bestände im Bereich der Kleinkredite, vermittelt an die Teambank in Form von easyCredits, wuchsen um 7,57 Prozent an.

Die Bausparguthaben legten um 4,49 Prozent auf 384 Millionen Euro zu. Das Neugeschäft gemessen anhand der abgeschlossenen Verträge war allerdings deutlich rückläufig. Konnten in 2015 noch 7.008 Verträge platziert werden, waren es in 2016 lediglich 5.203. Ähnlich verhält es sich auch im Abschluss von Lebensversicherungen, die um 9,09 Prozent zurückgingen.

Das betreute Kundenvolumen, bestehend aus Einlagen und Krediten sowohl in den Bankbilanzen als auch bei den Verbundpartnern der Banken, stieg  weiter um 3,65 Prozent auf 14,33 Milliarden Euro und lag damit um 504 Millionen Euro über dem Vorjahreswert.

Mit 1.342 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (2015: 1.369) zählen die regionalen genossenschaftlichen Kreditinstitute zu den großen Arbeitgebern in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis. In Ausbildung befinden sich 99 junge Damen und Herren. Der Rückgang beim Personal um 2 Prozent erklärt sich in erster Linie durch das Ausscheiden älterer Belegschaftsmitglieder. In diesen Fällen versuchen die Banken die frei werdenden Arbeitsplätze durch organisatorische oder technische Maßnahmen einzusparen.

Eine Vielzahl von Weiterbildungsmöglichkeiten für Führungs- oder Fachkarrieren boten die Genossenschaftsbanken ihrem Personal, sowohl über die eigenen Akademien der Genossenschaftsbanken als auch Inhouse. Dafür wurden die Banker im abgeschlossenen Geschäftsjahr an 2.875 Tagen freigestellt.

„Der Wandel im Bankgeschäft zeigt sich auch darin, dass immer mehr Menschen ihr Konto online führen. Über viele Jahre schon wächst der Anteil, so auch in 2016. Mit einer Steigerung von 3,36 Prozent erhöht sich die Anzahl der online geführten Konten von 158.012 in 2015 auf 163.314 in 2016. Mit ‚paydirekt‘ bieten wir unseren Firmenkunden und unseren Privatkunden eines der nach dem heutigen Stand der Technik sichersten und modernsten Online-Bezahlverfahren an.“ so Jürgen Pütz.

Die Anzahl der Geldausgabeautomaten blieb mit 184 Stück gegenüber dem Vorjahr unverändert. Aufgrund dieser hohen Anzahl versorgen die Genossenschaftsbanken neben den Sparkassen flächendeckend die Bürgerinnen und Bürger mit dem nach wie vor sehr beliebten Bargeld.

„Unser Bekenntnis zu einem flächendeckenden Filialnetz hat nach wie vor Bestand, was sich anhand der unveränderten Zahl von 96 Geschäftsstellen in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis zeigt“, erläuterte Dr. Martin Schilling. „Allerdings denken wir in diesem Zusammenhang über neue Filialtypen nach. So wird es in Zukunft nicht mehr an allen Standorten die gleichen Dienstleistungen geben.“

Die Volksbanken und Raiffeisenbanken sind tief verwurzelt in der Region und fühlen sich für dieselbe auch mit verantwortlich. Als sichtbares Zeichen dieser Verantwortung unterstützen die acht Banken Jahr für Jahr gemeinnützige Vereine, Institutionen und Einrichtungen mit Sponsoring- und Spendengeldern. In 2016  lag das Spendenaufkommen noch einmal um 51.000 Euro höher, so dass 936.000 Euro (2015: 885.000 Euro) für soziale Zwecke ausgeschüttet wurden.